Diskussion mit Landtags-Vizepräsidenten in der Schulaula

Dr. Papke stellte sich den vielen interessierten Fragen der Gesamtschüler zur Landespolitik

Viele Fragen zu vielen Themen seiner interessierten Zuhörer beantwortete Vizepräsident Dr. Papke. (Fotos und Text: Doro Dietsch)

Rund 100 Schülerinnen und Schüler aus allen Klassen der Sekundarstufe I und II hatten sich in der Aula der Städtischen Gesamtschule Leverkusen-Schlebusch (GLS) versammelt. Die große Bandbreite im Alter der Schülerinnen und Schüler (11 - 20 Jahre) sorgte für eine ebenso große Bandbreite an Fragen, die sie dort dem Vizepräsidenten stellten: "Dürfen Bauern Giftköder auslegen? Was ist Integration? Wäre es nicht sinnvoller, die Flüchtlinge anders aufzuteilen? Wenn Deutschland ein reiches Land ist, warum müssen wir American Football dann auf einer Hubbelwiese spielen?" wurde beispielsweise gefragt.

Ein Nebensatz über einen Abgeordneten, der im Landtag die Fraktion gewechselt hat (so dass die CDU jetzt 68 Mitglieder hat) führte zu einer engagierten Diskussion. Eine Schülerin fand es ungerecht, dass jemand die Partei wechselt und trotzdem im Landtag bleiben darf. Eine andere fragte, ob man denn anders abstimmen dürfe als seine Partei. Und Marie mutmaßte, man könne ja dann für die Partei antreten, welche die größten Chancen hätte, und dann im Landtag die Partei wechseln. Dr. Gerhard Papke erläuterte aber, Landtagsabgeordneter zu werden - das könne man nicht planen. Nur sehr wenige kämen in die Situation, Kandidat/in zu werden. Dafür müsse man in der Regel jahrelang in einer Partei arbeiten. Wer die Partei wechsele, verliere seine politische Heimat.

Anders abstimmen als die eigene Fraktion, das ginge schon, sei aber ebenfalls selten: „In der Regel steht eine Partei für eine politische Richtung. Dienstags sind Fraktionssitzungen, dort diskutiert man über alle Themen und entscheidet dann nach dem Demokratieprinzip: Die Mehrheit bestimmt.“ Wenn aber ein Abgeordneter sage, das sei für ihn eine Gewissensfrage, könne er anders abstimmen. So habe er vor wenigen Wochen das erste Mal seit 15 Jahren gegen seine Fraktion gestimmt: „Ich war dagegen, Cannabis freizugeben. Ich bin strikt gegen dieses Teufelszeug. Ich habe sogar dazu eine persönliche Erklärung zu Protokoll gegeben.“

Obwohl für die Jüngsten manche Fragen der Älteren vielleicht etwas kompliziert waren und für die Ältesten manche Fragen der Jüngsten vielleicht etwas einfach, herrschte eine erstaunlich ruhige Atmosphäre in der Aula. Zum Beispiel als ein Schüler fragte: „Dürfte der Landtag die Todesstrafe wieder einführen?“ „In der BRD ist die Todesstrafe abgeschafft, das steht in der Verfassung Deutschlands, dem Grundgesetz. Die Verfassung bindet alle Bundesländer. Das dürfte der Landtag also nicht machen", lautete die Antwort.

Insgesamt waren die meisten Schüler begeistert, bei dieser Veranstaltung dabei gewesen sein zu dürfen. Im Vorfeld hatte jede Klasse und jeder Kurs mindestens zwei interessierte Vertreter ausgesucht, darunter auch Hannah aus der 7g: „Das war schon sehr interessant und letztendlich hätte die Veranstaltung noch länger dauern können, weil es so viele Fragen gab. Ich fand es einfach toll, dass man seine Fragen direkt an einen Politiker stellen durfte und dann direkt eine Antwort bekam.“

Nach der Fragestunde stellten Lehrer Andreas Brenken, Didaktischer Leiter der Schule, und Schülersprecherin Aswina Preuß aktuelle Schulvorhaben vor. Im Klassenraum der 6b konnte der Vizepräsident dann das Konzept der "Individuellen Lernzeit" (ILZ) kennenlernen. Die Schülerinnen und Schüler können jeden Tag eine Stunde lang selber wählen, welches Thema in welchem Fach nach welcher Schwierigkeitsstufe sie bearbeiten wollen. Die Konzentration und Ruhe in diesem Raum beeindruckte die Besucher. 

Viel Arbeit und viel Initiative steckt die Schule auch in eine Lernwerkstatt, die von der Bayer AG mit Fördermitteln unterstützt wird. Die Lernwerkstatt ist eine besondere Form des selbstständigen Lernens im Bereich Naturwissenschaften. Schülerinnen und Schüler gehen Alltagsphänomenen auf den Grund, in dem sie selber Experimente planen und durchführen. Die Schule hat sogar Bienenvölker angelegt. Insgesamt gewann der Landtagspräsident also ein detailliertes Bild vom breitgefächerten Angebot der Gesamtschule Schlebusch und zeigten sich von der Vielfalt begeistert.